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Farbschläge:  Blau   Königsmantelschecken   Siam
Über die Zucht von Königsmantelschecken:

Was Sie hier lesen, beruht alles auf meiner Zuchterfahrung, die ich seit 2010 mit dieser Farbe gesammelt habe. Es erhebt keinen Anspruch auf Professionalität, sondern soll als Hilfestellung für die Zucht dieses schwierigen Farbschlages dienen.

Für die Zucht empfehle ich, Königsmantelschecken und mosaikgezeichnete Japaner zu verwenden. Dalmatiner dreifarbig sind auch gut möglich, jedoch ist dann der Anteil an Königsmantelschecken pro Wurf geringer. Japaner mit rassetypischer Zeichnung sind weniger geeignet, weil die Farbflächen zu stark begrenzt sind. Wenn Fremdblut gebraucht wird und kein KMS zur Wahl steht, wäre es möglich, gelb einzukreuzen. Dann jedoch darauf achten, in den folgenden Generationen die schwarze Mosaikzeichnung wieder reinerbig zu ziehen. Das Einkreuzen von Zwergen oder Standard Rexen halte ich nicht für gut, weil der für die Kleinrexe charakteristische Typ und der freundliche Charakter verfälscht werden. Auch sind die Gewichtsschwankungen in den folgenden Generationen enorm.
Aus meiner Erfahrung heraus würde ich raten, die Linien der Königsmantelschecken nicht zu eng zu ziehen:
Der Ahnenverlustkoeffizient sollte nicht unter 55% sinken.

Auf der Suche nach Fremdblut lohnt sich auch ein Blick ins Ausland, wo es die Königsmantelschecken schon länger gibt! Oder auf Vollfarbige Tiere zurückgreifen (am besten gelbe) und die passende Scheckung dann mit den Tieren des eigenen Bestandes einkreuzen.

Hier schreibe ich noch einige genetische Zusammenhänge über die Königsmantelscheckung:

Zum grundsätzlichen Verständnis der Farbe Königsmantelschecke sollte man sich bewußt machen, dass eine Scheckung generell ein Unterbrechen der Grundfarbe mit weiß ist. Die Grundfarbe kann jede mögliche Kaninchenfarbe sein. In unserem Fall möchten wir die Farbfläche der mosaikgezeichneten Japaner mit weiß unterbrechen. Das Weiß soll am Bauch, der Brust, evtl. an der Stirn und an den Füßen und Blume sein, sonst nirgendwo. Deshalb nehme ich seit Jahren bewusst keine Punktschecken für die Zucht, da bei diesen die Grundfarbe an den falschen Stellen unterbrochen wird: Auch am Rücken.


Die Annahme, dass durch die Punktschecken die schwarzen Punkte auf roter Decke bei den KMS entstehen, halte ich für nicht ganz korrekt. Vielmehr entstehen die schwarzen Punkte und Flecken durch die Ausbreitung der Farbzellen im Embryonalstadium. Diese Information basiert auf der Arbeit von Frau Renate Regitz. Infos über Farben, Genetik und allgemeine Infos sind auf ihren Seiten zu finden: kaninchenwissen.de und kaninchenfarben.de

Die schwarzen Farbzellen "wandern" beim Embryo, vereinfacht gesagt, von der Wirbelsäule (eigentlich Neuralleiste) in Richtung Bauch. Sie wandern unterschiedlich weit und sobald sie die Stelle erreicht haben, wo sie bleiben, beginnen sie sich zu teilen und in die Breite zu wachsen (Ausbreitung). Dadurch entstehen grössere oder kleinere Flecken.
Die rote Decke entsteht auf die gleiche Weise, nur dass hier die roten Flecken sozusagen zusammen gewachsen sind. Sind sie das nicht oder nicht ausreichend, haben wir weisse Stichelhaare oder sogar weisse Flecken in der Decke.

Was wir bei den KMS erreichen wollen, ist eine nicht ganz vollständige Wanderung der roten und schwarzen Farbzellen in Richtung Bauch. Sie sollen nur bis zu den Seiten wandern, weil der Bauch und andere Stellen weiss bleiben sollen. Wandern sie vollständig bis zur Bauchnaht, haben wir einen mosaikgezeichneten Japaner.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie die Farbzellen wandern und wohin. Dadurch entstehen unterschiedliche Scheckungs-Arten. Neben den KMS sind dies z.B. die Holländerscheckung, englische Scheckung und Dalmatinerscheckung. Kreuzt man diese Scheckungen untereinander, entstehen unendlich viele Zwischenstufen und es wird schwierig, sie eindeutig zuzuordnen. Eine Scheckung kann nicht mehr klar von der anderen getrennt werden. Deshalb halte ich es für absolut wichtig bei der Zucht von Königsmantelschecken, nur Tiere mit perfekter Scheckung für die Zucht zu verwenden und keine anderen Scheckungen einzukreuzen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es drei Faktoren gibt, die die Scheckung beeinflussen:
-Anzahl der Farbzellen
-Weite der Wanderung
-Größe der Ausbreitung

Bei den Dalmatinern zum Beispiel kommt es darauf an, nicht zu viele Farbzellen zu haben. Sonst hätten wir eine geschlossene Decke. Die wenigen Punkte sollen unterschiedlich weit wandern und sich so weit ausbreiten, dass die Punkte nicht zu klein sind.

Bei den Königsmantelschecken sollen die gelben Farbzellen eine geschlossene Decke bilden bis zur Mitte des Körpers. Das kann man erreichen, wenn das Tier wenige Farbzellen hat, die sich sehr weit ausbreiten oder viele, die sich nur wenig ausbreiten. Optimal wäre die Mitte. Nur kommt bei den KMS noch dazu, dass zusätzlich schwarze Punkte auf der gelben Decke sein sollen. Diese verteilen sich auf die gleiche Art und Weise, jedoch sind es weniger, sodaß die schwarzen Flecken nicht zusammenwachsen.

Hier einige Beispiele:





Große Anzahl der Farbzellen, geringe Wanderung und gute Ausbreitung










Große Anzahl, geringe Wanderung und schlechte Ausbreitung:
Dadurch bleiben weiße Stellen zwischen den Farbflecken:
Für diese Färbung hat sich der Begriff "Buckshot" eingebürgert. Das ist Englisch und bedeutet "Rehposten", was ein Fachbegriff für eine grobe Ladung Schrot ist. Die Farbe sieht aus, als sei sie mit einer Schrotflinte auf dem Tier verteilt worden. Buckshot sind Tiere, die mit viel Weiß durchsetzt sind.

Auch hat dieses Tier kaum schwarze Punkte.









Wenige Farbzellen wandern mittelweit und breiten sich gut aus.




















Sehr wenige Farbzellen nur im Kopfbereich.
Keine Wanderung, geringe Ausbreitung.












Etwas zu wenige Farbzellen wandern weit und breiten sich gut aus.
Das Tier ist fast optimal.
















Viele Farbzellen wandern weit und breiten sich schlecht aus:
Stark weiß durchsetzt.















Japanern, die aus KMS Zucht fallen, sieht man manchmal deutlich an, dass sie die passende Zeichnung für Königsmantelschecken tragen:






Das Schwarz ist schön gleichmäßig verteilt auf dem Körper, im Brustbereich weniger. Auch der Stirnfleck ist schon angedeutet.
























Bei diesem KMS havanna-gelb erscheint das Gelb in zwei verschiedenen Farben: Helleres und dunkleres. Das Tier ist vierfarbig.
Diese Farbgebung hatte ich schon einige Male, wenn die Eltern unterschiedliches Gelb hatten. Dieses Tier vererbt sowohl helles als auch dunkles Gelb.












Tipps für die Ausstellung:





Die weiße Nasenspitze ist ein nb in Deutschland und im  Europastandard.
Die weißen Oberlippen sind nicht erwünscht, aber kein nb.
In Deutschland ist die Farbe des Kinns und der Kehle egal.
Im Europastandard müssen Kinn und Kehle weiß sein.

















Der weiße Fleck am Hinterbein ist zu hoch und hat keine Verbindung mehr zum Weiß am Bauch. Das ist ein nb.
Die weißen Flecken dürfen nur bis zu einer gedachten Linie auf der Höhe der Blumenspitze gehen oder müssen in Verbindung mit dem weißen Bauch sein.



















Diese Kopfzeichnung ist schön bunt und so gewollt.
Der weiße Stirnfleck soll nicht von Farbe durchzogen sein.
Im Europastandard muss ein weißer Stirnfleck vorhanden sein, in Deutschland darf er fehlen.
Der weiße Nasenfleck ist ein nb.




























Der Kehlfleck darf im deutschen Standard sein, im Europastandard ein nb. Die weiße Oberlippe ist kein nb, sollte aber nicht sein.
Das weiße Kinn ist im Europastandard ein MUSS, in Deutschland darf es auch farbig sein.